Anhaltende Rekordhitze: Wildtiere kämpfen ums Überleben


Hitzerekorde, Tropennächte, über Wochen kein Regen
Die akute Hitzewelle belastet Mensch und Tier auf das Äusserste. Während wir Menschen uns aber vor den Auswirkungen der hohen Temperaturen schützen können, kämpfen Wildtiere ums Überleben. Dabei sind sie auf menschliche Hilfe angewiesen. Die Tierrettung weiss, was zu tun ist.
Die Sommerhitze stellt den Organismus von Wildtieren vor immense Herausforderungen. Da Vögel und kleine Säugetiere wie Eichhörnchen, Igel und Siebenschläfer nicht wie Menschen schwitzen können, müssen sie ihr Verhalten und ihren Stoffwechsel drastisch anpassen, um einen Hitzeschlag zu vermeiden. Was in durchschnittlich heissen, kurzen Hitzeperioden gelingt, wird auf die Dauer zur lebensgefährlichen Notlage. Denn die zunehmend geschwächten Tiere finden unter den extremen Bedingungen immer weniger Wasser und Nahrung, nach der sie länger suchen müssen, was sie zusätzlich Energie kostet. Ein Teufelskreis.
Deutlich mehr Einsätze während Hitzeperiode
Entsprechend hinterlässt die Hitze auch in der Statistik der Stiftung Tierrettungsdienst ihre Spuren. «Wir haben im Juni 3371 Notrufe erhalten, das sind 654 mehr als im Vorjahr», bilanziert der stv. Leiter Tierrettung, Claus Feurstein. «In 2416 Fällen konnten wir mit einer Beratung oder Vermittlung an eine zuständige Fachstelle weiterhelfen, 955-mal sind wir für ein Tier in Not ausgerückt.»
«Hitzeopfer» gebe es zwar jedes Jahr, so Feurstein weiter, und es kämen für eine Notlage häufig mehrere Faktoren zusammen. «Angesichts der aussergewöhnlich erhöhten Zahlen kann man jedoch davon ausgehen, dass hier die anhaltenden hohen Temperaturen die entscheidende Rolle spielen.»
Fataler Sprung in die Tiefe
Ganz sicher sei das sehr häufig bei den Mauer- und Alpenseglern der Fall. Denn die hochspezialisierten Gebäudebrüter nutzen unter anderem Ritzen unter Hausdächern für die Aufzucht ihres Nachwuchses. Hier steigen die Temperaturen aktuell oft weit über 50 Grad. Um der Hitze zu entfliehen, springen die Jungtiere aus ihrem Nest. Überleben sie den Fall, sind sie am Boden wehrlos allen Gefahren ausgesetzt und werden auch nicht mehr von ihren Eltern versorgt. Wenn diese Vögel nicht rechtzeitig gefunden und in eine Station gebracht werden, ist das deren sicherer Tod. Im Zeitraum vom 1. Juni bis 10. Juli hat die Tierrettung in 405 Fällen durch Beratung oder Rettungsfahrt dafür sorgen können, dass es nicht so weit gekommen ist.
In jedem Fall die
0800 211 222 wählen
Wichtig ist, dass die Bevölkerung jetzt besonders aufmerksam ist und sich bei einem beobachteten Notfall an die Notrufzentrale wendet. Auch wenn viele Pflegestationen für Wildvögel einen Aufnahmestopp verhängen mussten. «Wenn man einen geschwächten oder verletzten Vogel findet, sollte man sich trotzdem bei unserer Notrufzentrale melden. Wir können auf jeden Fall weiterhelfen», empfiehlt Claus Feurstein. Ausserdem seien Segler- und Greifvögel nicht von dem Aufnahmestopp betroffen. Sobald auch die anderen Pflegestationen wieder Vögel aufnehmen können, werden wir via unsere Social Media Kanäle darüber informieren.
Was Sie für Wildvögel und kleine Wildsäuger tun können
- Tränken aufstellen: Flache Schalen mit frischem Wasser auf Balkon und im Garten aufstellen. Wichtig: Einen Stein als Ausstiegshilfe für Insekten und Kleinsäuger hineinlegen und das Wasser täglich wechseln (Schutz vor Salmonellen).
- Schattenplätze schaffen: Den Rasen nicht zu kurz mähen, damit der Boden weniger austrocknet. Büsche, Laub- und Reisighaufen bieten kühle Rückzugsorte.
- Melden: Kontaktieren Sie die Wildhut oder Tierrettung (0800 211 222).
- Nistkästen beschatten: Nistkästen im Frühjahr an schattigen Orten (Ausrichtung nach Osten oder Nordosten) anbringen oder im Sommer künstlich beschatten.






