Stadtenten in Not: Warum Zürcher Balkone zur Falle werden

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Die Jungen sitzen in der Betonfalle fest

Wenn der Nachwuchs auf der Dachterrasse schlüpft, beginnt für Stockenten ein lebensgefährlicher Marsch. Jedes Jahr benötigen hunderte Entenküken menschliche Hilfe, weil sie den Weg zum Wasser alleine nicht bewältigen können. Die Tierrettung rät: Wer eine Entenfamilie im Siedlungsgebiet entdeckt, soll umgehend Hilfe holen und die Tiere nicht auf eigene Faust umsiedeln.

Am Seeufer in Zürich wird es eng. Deshalb weichen Stockenten zum Brüten immer öfter in die Stadt aus. Flachdächer, bepflanzte Balkone oder begrünte Innenhöfe wirken wie sichere Brutplätze. Doch die Falle schnappt zu, sobald die Jungen schlüpfen. Als Nestflüchter müssen die Küken bereits wenige Stunden nach der Geburt das Wasser erreichen. Im dichten Stadtverkehr und vor hohen Mauern sind die flugunfähigen Kleinen oft chancenlos.

Kilometermarsch bis zum rettenden Wasser

Zwischen April und August erreichen allein im Raum Zürich rund 200 Notrufe die Stiftung Tierrettungsdienst. Die Entenmütter führen ihren Nachwuchs teils bis zu fünf Kilometer weit zum nächsten Ufer. Im Siedlungsraum lauern dabei tödliche Gefahren: Autos, Randsteine oder Gullis werden für die Küken unüberwindbar. Oft verlieren die Mütter in der Hektik den Kontakt zu ihren Jungen.

Einige Enten zeigen sich dabei besonders standorttreu. Retter berichten von Tieren, die jedes Jahr an den exakt gleichen Ort zurückkehren – trotz der beschwerlichen Reise.

Einsatz am Bahnhof Tiefenbrunnen: Eine alte Bekannte

Ein Fall am Zürcher Bahnhof Tiefenbrunnen zeigt die Dramatik, aber auch die Entschlossenheit der Tiere. Eine Ente brütete dort auf einer Dachterrasse. Eine Rettungsfahrerin sicherte die Küken in einer Transportbox, um sie – begleitet von der Entenmutter – sicher durch das Quartier zum See zu führen. Das Besondere: Ein Jahr später wurde der Zentrale genau am gleichen Ort wieder eine Entenfamilie gemeldet.

«Es war tatsächlich dieselbe Ente wie im Vorjahr», sagt die Tierretterin. «Diesmal mussten wir an einem dröhnenden Betonmischer und Presslufthämmern vorbei. Doch die Mutter liess sich nicht beirren. Sie wich mir nicht von der Seite, bis wir das Ufer erreichten. Als sie mit ihren Jungen im Wasser davonschwamm, ging mir das Herz auf.»

Richtiges Verhalten bei Entenfunden

Wer eine Entenfamilie auf dem Balkon, auf der Terrasse oder in einem Hinterhof bemerkt, sollte ruhig reagieren. Da die Küken ohne menschliche Hilfe oft nicht aus den Innenhöfen oder von den Dächern gelangen, ist fachmännische Unterstützung nötig.

So helfen Sie richtig

  • Beobachten: Halten Sie Distanz, damit die Mutter nicht flüchtet.
  • Sichern: Bereiten Sie Ihren Balkon schon während der Brutzeit vor (Absturzrisiko minimieren, Abflussrohre und Versteckmöglichkeiten verschliessen)
  • Melden: Kontaktieren Sie die Wildhut oder Tierrettung (0800 211 222).
  • Nicht füttern: Falsche Nahrung schadet den Tieren.

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